
Ein Online-Shop legt wöchentlich Hunderte Produkte an, der Kundenservice erhält E-Mails in zehn Sprachen, und in der App ändern sich täglich Button-Texte. Wenn all das per E-Mail-Anhang an Übersetzer geht, wird die Übersetzung zum Engpass des gesamten Geschäfts. Das Release ist fertig, doch die deutsche Seite wartet noch in der Schlange. Deshalb verlagern Unternehmen die Spracharbeit immer häufiger aus dem Postfach in den Code.
Dieser Artikel erklärt, wie eine Übersetzungs-API funktioniert, welche Aufgaben sie abdeckt und wo ein Mensch unverzichtbar bleibt. Wir plädieren weder dafür, alles der Maschine zu überlassen, noch dafür, alles von Menschen erledigen zu lassen. Stattdessen zeigen wir, wie sich ein Workflow aufbauen lässt, in dem jeder Text beim passenden Bearbeiter landet.
Was eine Übersetzungs-API in einfachen Worten ist
Eine API ist eine Reihe von Regeln, nach denen ein Programm mit einem anderen kommuniziert. Ihr System schickt einen Text und gibt das Sprachpaar an, und als Antwort erhält es eine fertige Übersetzung. Niemand muss eine Website öffnen, ein Dokument hochladen oder auf eine E-Mail warten. Für den Nutzer wirkt es, als würde die Seite von selbst in einer anderen Sprache sprechen.
Hinter derselben Schnittstelle kann Unterschiedliches stecken. Es kann eine maschinelle Übersetzungs-Engine sein, die in Sekunden antwortet. Es kann aber auch eine Plattform sein, auf der die Anfrage an einen lebenden Übersetzer geht und das Ergebnis später zurückkommt. Translate24 bietet Unternehmen eine API an und stützt sich auf ein Netzwerk aus mehr als 1.200 zertifizierten Übersetzern. Das Schema „senden, empfangen“ bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass eine Maschine übersetzt hat.
Für Entwickler läuft die Integration meist auf wenige Anfragen hinaus: Auftrag anlegen, Text übermitteln, Status prüfen, Ergebnis abholen. Für den Product Manager ist etwas anderes wichtiger: Übersetzung wird Teil des Prozesses und ist keine separate Aufgabe mit manuellem Versand. Eine neue Zeile in der Produktdatenbank startet die Kette automatisch. Automatisierte Übersetzung ersetzt nicht den Übersetzer, sondern beseitigt die Routinearbeit drumherum: E-Mails, Anhänge, Kopieren.
Typische Szenarien: Kataloge, Support, nutzergenerierte Inhalte
Das naheliegendste Szenario sind Produktkataloge. Ein Shop mit Tausenden Artikelseiten kann nicht bei jeder Änderung einer Beschreibung oder Eigenschaft jeden Eintrag manuell übersetzen lassen. Die API holt die geänderten Felder ab und liefert sie in den gewünschten Sprachen zurück. So wird das Budget geschont, und die Lokalisierung neuer Produkte dauert Tage statt Wochen.
Das zweite Szenario ist der Kundenservice. Ein Kunde schreibt auf Portugiesisch, der Mitarbeiter liest auf Russisch, und die Antwort geht in der Sprache des Kunden zurück. Hier zählt die Geschwindigkeit mehr als literarische Feinarbeit, weshalb eine schnelle maschinelle Variante gerechtfertigt ist. Antwortvorlagen und Texte des Hilfecenters sollten dagegen einmal von einem Menschen geprüft werden, denn sie werden von Tausenden Menschen gelesen.
Das dritte Szenario betrifft nutzergenerierte Inhalte: Bewertungen, Kommentare, Anzeigen, Beschreibungen auf Marktplätzen. Das Volumen ist enorm, der Wert eines einzelnen Textes dagegen gering. Solche Materialien werden deshalb meist automatisch übersetzt und als „maschinell übersetzt“ gekennzeichnet. Wird eine Bewertung jedoch zu einer rechtlichen Beschwerde, sollte sie an einen Fachmann übergeben werden.
Maschinelle Übersetzung, Mensch oder beides
Die ehrliche Antwort auf die Frage „Was ist besser?“ hängt von den Kosten eines Fehlers ab. Eine Ungenauigkeit in einem Kommentar unter einem Beitrag kostet praktisch nichts. Ein Fehler in der Gebrauchsanweisung eines Medizinprodukts, im Vertrag oder im Werbeslogan wird dagegen sehr teuer. Deshalb lohnt es sich, Texte schon vor der Anbindung der API nach Risikostufen zu sortieren.
Ein bewährtes Schema umfasst oft drei Stufen. Bei niedrigem Risiko reicht maschinelle Übersetzung, bei mittlerem Risiko kommt eine Nachbearbeitung durch einen Lektor hinzu. Bei hohem Risiko ist eine professionelle Übersetzung von Grund auf mit Prüfung durch einen zweiten Fachmann nötig. Diese Regeln lassen sich programmieren: Der Inhaltstyp bestimmt, wohin die Anfrage geht.
Gesondert zu betrachten ist die Lokalisierung. Sie ist mehr als der Austausch von Wörtern: Datumsformate, Währungen, Maßeinheiten, Humor und kulturelle Anspielungen müssen angepasst werden. Ein Button „Mit einem Klick kaufen“ kann in einer wörtlichen Übersetzung beispielsweise unnatürlich klingen. Die Maschine liefert einen Entwurf, das letzte Wort hat jedoch ein Muttersprachler.
Qualität und Terminologie im automatisierten Workflow
Das größte Problem eines automatisierten Workflows ist Inkonsistenz. Ein und dasselbe Wort wird in verschiedenen Produktkarten auf drei Arten übersetzt, und der Käufer verliert die Orientierung. „Warenkorb“, „Tasche“ und „Beutel“ können dasselbe bedeuten, wirken aber wie drei verschiedene Dinge. Um das zu verhindern, braucht es ein einheitliches Glossar mit Fachbegriffen und Markennamen, das vor dem Start erstellt wird und nicht erst nach den ersten Beschwerden.
Das zweite Problem sind technische Elemente im Text. Variablen wie {name}, HTML-Tags und Links lassen sich leicht beschädigen, wenn die ganze Zeile übersetzt wird. Deshalb sollten solche Fragmente durch Platzhalter geschützt oder aus dem Text herausgelöst werden. Hinzu kommt die Falle der Länge: Die deutsche Fassung ist oft deutlich länger als die englische und sprengt das Layout eines Buttons.
Qualität muss man messen, nicht erraten. Wählen Sie eine Stichprobe, etwa einige Prozent der Texte pro Woche, und geben Sie sie einem Lektor. Halten Sie typische Fehler fest und tragen Sie sie zurück in Glossar und Regeln. So verbessert sich der Workflow schrittweise, und die professionelle Übersetzung kommt dort zum Einsatz, wo sie tatsächlich gebraucht wird.
Datensicherheit
Über die API gehen keine abstrakten Zeichenketten, sondern echte Daten: Kundennamen, Bestellnummern, Vertragsbedingungen. Deshalb sollten Sie vor der Wahl eines Anbieters klären, was genau Sie übermitteln. Personenbezogene Daten lassen sich oft vor der Übersetzung durch Marker ersetzen und danach wieder einsetzen. Das ist verlässlicher, als jedem Auftragnehmer zu vertrauen.
Prüfen Sie die Grundlagen: Verschlüsselung bei der Übertragung, Zugriffskontrolle über Schlüssel und die Speicherdauer der Texte beim Anbieter. Fragen Sie, ob Ihre Materialien für das Training von Modellen verwendet werden. Bei lebenden Übersetzern klären Sie, ob sie eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen. API-Schlüssel dürfen nicht in öffentlichen Repositories liegen, und für Test- und Produktivumgebung sollten Sie getrennte Schlüssel anlegen.
Die gesetzlichen Anforderungen hängen vom Land ab. Die europäische DSGVO und das russische Gesetz über personenbezogene Daten regeln Speicherung und Weitergabe von Informationen beispielsweise unterschiedlich. Wenn Sie auf mehreren Märkten tätig sind, stimmen Sie das Schema frühzeitig mit einem Juristen ab. Besonders sensible Dokumente sollten Sie möglichst gar nicht in einen vollständig automatisierten Workflow geben.
Wie Sie mit der Integration beginnen
Beginnen Sie mit einem Audit: Welche Texte haben Sie, wie oft ändern sie sich, und was kostet ein Fehler in jedem Fall? Wählen Sie einen Workflow aus, etwa die Beschreibungen neuer Produkte, und starten Sie ein Pilotprojekt mit zwei Sprachen. Bereiten Sie Glossar und Routing-Regeln vor der ersten Anfrage vor. Vergleichen Sie nach einem Monat Geschwindigkeit und Kosten mit dem bisherigen manuellen Prozess.
Skalieren Sie danach nach Sprachen und Inhaltstypen, ohne das zu gefährden, was bereits funktioniert. Automatisierte Übersetzung lohnt sich dort, wo sich Aufgaben wiederholen, während der Mensch dort gebraucht wird, wo es um Bedeutung, Tonfall und Verantwortung geht. Wenn Sie eine Anbindung besprechen möchten, bietet Translate24 eine API für Unternehmen und ein Netzwerk zertifizierter Übersetzer für Aufgaben, bei denen eine professionelle Übersetzung erforderlich ist.
Lesen Sie auch:
Sie benötigen eine professionelle Übersetzung? Bestellen Sie online: Sprachen wählen, Datei hochladen und in wenigen Minuten den Preis sehen.
Notwendige Cookies sorgen dafür, dass die Anmeldung und die Einstellungen funktionieren. Optional bleiben Google Analytics und Yandex Metrica deaktiviert, bis Sie die Analyse zulassen. Sie können die Website nur mit den erforderlichen Cookies nutzen und Ihre Auswahl später ändern.