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01.02 — 1. Februar oder 2. Januar? Lokalisierungsfallen, die Geld kosten

Die Angabe „01.02.2025“ bedeutet in einem Land Anfang Februar, in einem anderen Anfang Januar. Zeigt ein Online-Shop oder eine App ein solches Datum ohne Berücksichtigung des Gebietsschemas an, kann der Kunde es anders lesen als vorgesehen. Solche Kleinigkeiten finden selten Eingang in das Pflichtenheft, doch genau daraus entstehen Rücksendungen, verpasste Fristen und peinliche Schreiben des Supports. Wir stellen die häufigsten Fallen der Lokalisierung vor und zeigen, wie Sie sie vermeiden.

Datum und Uhrzeit: ein Tag, drei Lesarten

Die Reihenfolge der Datumsteile hängt vom Land ab. In Russland, Deutschland und einem Großteil Europas gilt das Format „Tag.Monat.Jahr“. In den USA steht der Monat an erster Stelle, daher bedeutet „03/04/2025“ dort den 4. März und nicht den 3. April. In Japan, China und Korea ist die Reihenfolge umgekehrt: zuerst das Jahr, dann Monat und Tag.

Bei der Uhrzeit verhält es sich ähnlich. In Russland, weiten Teilen Europas und Lateinamerika ist das 24-Stunden-Format üblich, in den USA, Kanada, Australien und Indien dagegen weit verbreitet das 12-Stunden-Format mit den Kennzeichnungen AM und PM. Die Angabe „5:00“ ohne Zusatz wird in verschiedenen Ländern unterschiedlich gelesen, und aus einem Termin um „fünf“ kann so ein Termin zwölf Stunden später werden.

Um nicht zu raten, sollten Sie in Daten und Schnittstellen den Standard ISO 8601 verwenden (zum Beispiel 2025-02-01T14:30). In der Benutzeroberfläche wird das Datum dagegen mit den Mitteln des Gebietsschemas ausgegeben und nicht manuell eingetippt.

Trennzeichen in Zahlen: Komma, wo der Punkt steht

Die Zahl „1 500,75“ in Russland und „1,500.75“ in den USA bezeichnen denselben Wert. In Deutschland und Brasilien trennt man Tausender mit einem Punkt und schreibt den Dezimalteil mit einem Komma: „1.500,75“. In der Schweiz verwendet man einen Apostroph: „1'500.75“. In Indien ist die Zifferngruppierung anders: „1,00,000“ bedeutet hunderttausend.

Der Fehler ist hier besonders tückisch. Wenn ein Preis „1.500“ als eintausendfünfhundert gemeint ist, das System ihn aber als anderthalb Einheiten liest, bemerkt der Kunde den Unterschied erst an der Kasse. Verketten Sie Zahlen deshalb im Code niemals manuell als Zeichenketten, sondern verwenden Sie die Formatierung nach Gebietsschema und prüfen Sie beim Import von Dateien das Parsen der Zahlen.

Währungen: Symbol, Position und Rundung

Das Währungssymbol wirkt wie eine Kleinigkeit, verursacht aber leicht Verwirrung. Das Zeichen „$“ verwenden die USA, Kanada, Australien und mehrere weitere Länder, daher kann „$“ ohne Währungscode Dollar eines dieser Länder bedeuten. Deshalb gibt man in internationalen Zusammenhängen üblicherweise den dreistelligen Code nach ISO 4217 an: USD, EUR, RUB.

Auch die Position des Symbols unterscheidet sich. In englischsprachigen Ländern schreibt man „$100“, in Frankreich „100 €“ mit geschütztem Leerzeichen, in Russland „100 ₽“ oder „100 руб.“. Mitunter zeigt sich der Fehler bereits in der Übersetzung: Der Satz „Preis inkl. MwSt.“ verlangt in einer anderen Sprache einen anderen Satzbau, und wenn ein Text aus Bausteinen mit eingesetztem Betrag zusammengesetzt wird, gerät die Wortstellung durcheinander.

Auch die Rundung hängt von der Währung ab. Der japanische Yen hat in der Regel keine Nachkommastellen, der kuwaitische Dinar wird in Tausendstel unterteilt. Rechnet ein System bei allen Währungen mit zwei Nachkommastellen, kann das Ergebnis um Cent-Beträge von den Kontoauszügen der Bank abweichen, bei großen Volumina sogar um spürbare Summen.

Metrisches und imperiales System

Der größte Teil der Welt nutzt das metrische System, die USA dagegen Fuß, Pfund, Gallonen und Grad Fahrenheit. In Großbritannien sind Verkehrsschilder in Meilen angegeben, und Milch wird in Pints verkauft, wobei ein britisches Pint mit etwa 568 Millilitern größer ist als das amerikanische mit rund 473. Auch die Gallone unterscheidet sich diesseits und jenseits des Atlantiks.

Für einen Online-Shop bedeutet das: Maße des Produkts, Paketgewicht und Verpackungsvolumen müssen in den Einheiten angezeigt werden, die der Kunde gewohnt ist, und dabei darf die Genauigkeit nicht verloren gehen. Der Übersetzer, der mit Anleitungen arbeitet, muss wissen, ob eine Einheit übersetzt oder der Wert umgerechnet werden soll. Steht in der Anleitung zum Beispiel „10 Zoll“, ist für eine russische Ausgabe „25 cm“ sinnvoller, doch der ursprüngliche Wert sollte in Klammern bleiben, wenn er für die technischen Angaben wichtig ist.

Telefonnummern, Adressen und Namen in Formularen

Registrierungsformulare scheitern am häufigsten an drei Feldern. Telefon: In Russland kann eine Nummer etwa „+7 (999) 123-45-67“ lauten, in Deutschland ist die Länge der Nummer variabel, und viele Vorlagen mit starrer Eingabemaske lassen sie nicht zu. Besser ist ein Feld mit Auswahl der Ländervorwahl und eine Bibliothek zur Validierung von Telefonnummern.

Adresse: In Japan gibt man vom Großen zum Kleinen an (Präfektur, Stadt, Bezirk, Blocknummer), in Russland und Europa dagegen umgekehrt. Die Postleitzahl in den USA besteht aus fünf Ziffern, in Großbritannien ist sie eine Kombination aus Buchstaben und Ziffern. Ein Feld „Postleitzahl, nur Ziffern“ lässt einen Teil der realen Adressen nicht zu.

Name und Nachname: In Spanien und Lateinamerika gibt es häufig zwei Familiennamen, in Island wird statt eines Nachnamens der Vatersname verwendet, und manche Menschen haben überhaupt nur einen Namen. Ein Apostroph im Nachnamen wie in „O'Brien“ oder ein Bindestrich dürfen keinen Fehler auslösen. Die Mindestanforderung ist einfach: Machen Sie nicht zwei Felder verpflichtend, wo das nicht nötig ist, und akzeptieren Sie beliebige Unicode-Zeichen.

Fehler vermeiden: Standards und Prüfung

Der Umgang mit Formaten beginnt nicht erst bei der Prüfung, sondern bereits beim Entwurf. Folgendes hilft:

  • Speichern Sie Daten nach ISO 8601, Zahlen unformatiert, Währungen mit ISO-4217-Code, und überlassen Sie die Ausgabe dem Gebietsschema.
  • Verwenden Sie Standardbibliotheken für Lokalisierung statt selbst geschriebener Vorlagen, etwa ICU oder die Mittel der jeweiligen Plattform.
  • Geben Sie den Übersetzern Kontext: Im Text müssen Einheiten, Währung und Datumstyp klar erkennbar sein, nicht nur die Wörter.
  • Testen Sie die Oberfläche mit Daten wie 01.02, 12:00 und 1 000,50 in mehreren Gebietsschemata, auch in solchen, in denen die Reihenfolge abweicht.
  • Ziehen Sie für die abschließende Prüfung muttersprachliche Fachleute hinzu. Sie bemerken schneller, wenn etwa „fünf Uhr abends“ als „17.00“ geschrieben wird, wo man so nicht spricht.

Die wichtigste Erkenntnis ist einfach: Das Format ist Teil der Bedeutung. Eine gute Übersetzung bewahrt nicht nur die Worte, sondern auch die Art, wie der Leser Datum, Preis und Entfernung versteht. Wird die Lokalisierung von Anfang an eingeplant, lassen sich diese Fallen nahezu kostenlos umgehen. Werden sie erst nach dem Release entdeckt, ist die Korrektur teurer als alles andere.

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